Vision Ears VE8 Review

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Vision Ears VE8 Review

Der 8-Treiber IEM VE8 aus dem Hause Vision Ears erreichte mich pünktlich zu Weihnachten; Herzlichen Dank an Sebastian für die tolle Unterstützung. Zusammen mit den Vision Ears VE6 hatte ich nun 2 Wochen Zeit die beiden VE Vertreter in „Ruhe“ gegen mein Arsenal antreten zu lassen. Der Review wurde gleichzeitig mit dem des VE6 X-Control angefertigt, so dass Musikauswahl, Equipment und auch Textpassagen identisch in beiden Artikeln auftauchen.

Prolog Vision Ears VE8

Was Vision Ears zu den VE8 sagt:

Harmonie und Einklang

Das neue Flaggschiff der VE Custom In-Ear Serie überzeugt mit einer perfekten Symbiose:
Kraftvoller Klang mit überwältigender Präzision und Klarheit.

  • Kraftvoller und präziser Bass
  • Kristallklare, sanfte Höhen
  • Hervorragende harmonische Mitten
  • Herausragende Präzision und Harmonie

Das alles ist verbunden in einer überragenden räumlichen Abbildung mit herausragender Präzision und Harmonie.

Als Abspielgeräte standen mir AK120, der FiiO X7 Mk2 mit AM3A Verstärker Modul, der AK240, AK380 und der IBasso DX200 (AM1) zur Verfügung. Zum direkten Vergleich die Stage 5ProLive 2UERMJH AngieJH RoxanneUE 18 Pro und die VE6.

Die Musikauswahl beschränkt sich auf Lossless codierte Inhalte als FLAC, DSD oder DXD um Kompressionsverlußte auszuschließen.

Vision Ears VE8

VE6 X-Control und VE8

Über 2330 Euro für Custom Inears? Da verschlägt es einem schnell die Sprache. Und das ist ja nur der Einstiegspreis – sobald man am Design dreht und sich ein paar Extras gönnt – landet man auch schnell bei 2600 Euro und mehr. So jetzt haben wir den Preisshock verdaut und können uns den „inneren“ Werten widmen. Nach dem VE6 ist nun der neue VE8 das Flaggschiff der Kölner mit nun 8 Treibern die gegenüber dem VE6 mit „nur“ 3-Wegen angesteuert werden und gleich 2 x 2 Hochtöner mitbringen (Doppeltreiber). Mittels 2 „klassischer“ Bohrungen geht es ab zum Trommelfell. Vom Hersteller erhält man die personalisierten VE8 in einem Truhen-Case mit Soft-Pouch, 2 Trockenkapseln, Klinkenadapter sowie dem üblichen Reinigungsspray und -werkzeug, also mit dem gleichen Lieferumfang wie die VE6 oder Felix‘ Stage Serie.

Klangeindruck Vision Ears VE6

Gleich vorweg: die VE8 sind keine neutralen- oder „Referenz“ Hörer. Sie haben ein klares, aber zurückhaltendes V-Shape mit Bass- und Höhenanhebung. Kommen aber wie die VE6 auch ohne Peaks aus und sind unempfindlicher gegen Störungen der Audioquelle als die VE6.

Bass

Der Bassbereich ist mit gefühlten +7dB betont und greift sehr tief. Die VE8 sind hier nicht ganz so empfindlich wie die VE6 X2, die bereits bei sehr geringem Pegel reagieren. Die Anhebung reicht bis in die unteren Mitten, die VE8 klingen warm, kräftig und voluminös – und irgendwie „aufregend„. Für einen BA-Treiber ist der Bass deutlich weicher und sanfter, für mein Ohr ist er aber doch weitestgehend kontrolliert und präzise. Als „fest“ würde ich den Bass allerdings nicht bezeichnen, bei manchen Musikstücken ist er mir gar etwas „wabbelig“ – erinnert mich ein bischen an den Subwoofer zu Hause. Liebhaber von Bass und Itz Itz Itz erhalten hier einen weitläufigen Bass mit viel Wärme, ohne dabei zu übertreiben – das wird vielen sehr gefallen.

Mitten

Die Mitten sind präzise, extrem klar und trotzdem weich, tiefere Stimmen neigen aber dazu, etwas in den Bassbereich gezogen zu werden.  Die Mitten treten leicht vor Bass und Höhen zurück bzw. Stimmen wirken minimal distanziert. Die unteren Mitten sind kräftig warm: So geht es dann auch der Klaviermusik an den Kragen, die in den unteren Oktaven in den Bass driftet und dadurch manchmal unpräzise und sehr weich klingt. Im mittleren und oberen Mittelton punktet der VE8 dann wieder durch mehr Neutralität, spielt vordergründig und unanstrengend.

Höhen

Präzise, klar und differenziert, nicht anstrengend und kein spürbarer Peak. Die Höhen schaffen mit einem sehr guten Umfang eine beeindruckende Transparenz, sind aber (geringer als beim VE6) sehr sensibel bezüglich der Quelle, da schleicht sich schnell ein Zischen und Rauschen ein, wenn es dem Wiedergabegerät oder der Aufnahme an Qualität mangelt. An den Höhen gibt es aber meines Erachtens absolut NIX auszusetzen, die sind für mich „perfekt“ – das Auflösungsvermögen ist Phänomenal, auch wenn die Stage 7 noch einen Ticken „klarer“ spielen.

Die sehr gelungene Abstimmung von Mitten und Höhen schafft eine harmonische und weite Bühne, Instrumente sind klar identifizierbar und weit angeordnet – durch den angehobenen Bassbereich warm und intim.

 

Musikeeindruck Vision Ears VE8

Melody Gardot’s „The Rain“ präsentieren die VE8 ausgewogen und intim wie es sein sollte, die Stimmen-Wiedergabe sehr gut, die Höhen perfekt, allerdings wird durch den betonten Bassbereich alles wärmer und „dicker“.

Bei Mary Chapin Carpenter dagegen neigen die VE8 etwas dazu, die Stimme tonal in die Tiefe zu zerren. Das wirkt für mich etwas „dick aufgetragen“.

Rachel Podgers aufregende Inszenierung von Vivaldi’s „La Stravaganza“ ist  extrem detailreich, differenziert und „klar“,  aber mit deutlich mehr „Wums“ umd Wärme als bei den VE6 X2.

Dem Meisterstück „Quiet Winter Night“ von Gunnar Hoff / Hoff Ensemble geben die VE8 eine gigantische Räumlichkeit mit differenzierter Wiedergabe aller Instrumente, neigen aber auch hier manchmal geringfügig zu Übertreibung im Bassbereich und „hallen“ dadurch nach.

Yiruma’s Blind Film

Yiruma’s „Blind Film“ ist weich, recht sauber, klirrt manchmal und Anschläge verschwimmen / verlieren sich im oberen Bassbereich. Dafür ist die Präsentation extrem aufregend, warm und räumlich.

Wer also IEM sucht um vorwiegend Klaviermusik zu genießen: Die VE8 machen Ihre Sache zwar gut, aber die VE6 X2 können es besser.

Die VE8 zeigen ein offenes Stereobild mit überwältigender räumlicher Darstellung, eher warm als analytisch. Wer also eine wärmere Präsentation bevorzugt ist hier genau richtig, die Analytiker sollten zum VE6 X2 oder Stage 7 schielen …..

Musikstücken ohne viel Dynamik (Stichwort Loudness War), wie dem leider heute oft vertretenden (schlechten) POP-Fastfood, retten die VE8 die Seele. Kleinere Fehler werden ausgebügelt ohne Details vermissen zu lassen. Musik mit Bass macht Spass und das ordentlich, dabei übertreiben es die VE8 aber in keinster Weise. Bassmaschine? Nein, aber doch (viel) Bass.

Schlechte Aufnahmen mit Rauschen oder Fehlern deckt der VE8 nicht sofort auf, wer genau hinhört wird sie trotzdem entdecken.

Verarbeitungsqualitat Vision Ears:

Da braucht man nicht lange zu diskutieren: Vision Ears sind verarbeitungstechnisch das Maß der Dinge. Wo sich bei anderen Herstellern mal kleine Blasen in der Shell verstecken, ist hier alles perfekt verarbeitet. Auch der Übergang von Gehäuse zur Faceplate ist absolut sauber gearbeitet.  VE gibt seinen VE8 Demos eine halb-transparente Shell mit – auch drinnen ist alles sauber verarbeitet – Jedes Käbelchen nur so lang wie nötig. Hier gibt es von mir 9.8 von 10 Punkten. Genauso für den VE6 wie auch den VE8. Mal schauen ob VE auch bei den Customs das Niveau hält…

Leistung für’s Geld

Tja, jetzt wird es schwer. Böse gesagt sind die VE8 die „bessere Version der Rhines Stage 5“ – kosten aber das Doppelte. Generell scheint in den letzten Jahren ein Hype um IEM ausgebrochen zu sein, so dass manche Hersteller jeden Preis verlangen können. Ich kann nicht beurteilen ob die verwendeten Treiber und Materialen den Preis rechtfertigen, aber aus dem Bauch heraus und im Vergleich zu anderen Herstellern hätten 1700 Euro für die VE8 auch ein Preis sein können. Vielleicht wird hier auch nur versucht die Nachfrage über den Preis zu regulieren. Aber andere nehmen das Geld auch – ist also kein VE „Ding“.

Also was bekommt man für sein Geld? Technisch einwandfreie Kopfhörer auf höchstem Nivau mit perfekter Verarbeitung. Also alles gut, oder? Nicht ganz, bezüglich Preis-Leistung gibt es von mir für die VE8 nicht mehr als knappe 7 von 10 Punkten. Zumal es sich um 4 Doppeltreiber handelt (einfachere Verkabelung) und „nur“ 3 Wege – das ist zwar kein Qualitätsmerkmal, aber macht halt doch die Herstellung einfacher. Andere Hersteller quetschen für den Preis der VE mittlerweile auch 16 Treiber mit 4 Wegen in die kleine Shell. Werden die Kopfhörer dadurch besser? Nein, natürlich nicht. Aber vom Materialaufwand ist bei anderen halt mehr „drin“ fürs Geld. Klanglich ist das natürlich dann wieder Geschmacksache.

Fazit Vision Ears VE6 X-Control

Die VE8 sind hervorragende Kopfhörer die aufregend und mitreißend spielen und trotzdem ihre Basis nicht verlieren oder zu sehr übertreiben.  Die 4 Doppeltreiber sorgen für erstklassigen Klang – auch wenn ich den Tiefton als weich und selten „fest“ empfinde. Liebhaber von dynamischen Treibern werden hier aber sehr glücklich sein. Im Ganzen betrachtet erhält man eine musikalische Abstimmung (leichten V-Shape) die Spaß macht. Ob die VE8 den hohen Preis von über 2330 € „wert“ sind, muss jeder für sich entscheiden.

Vision Ears VE8 – der wird vielen gefallen!

Technische Daten

  • Drei-Wege-System mit 8 Treibern
  • Treiber: 2 x Bass – 2 x Mitten – 4 x Höhen
  • Empfindlichkeit: 120 dB SPL bei 1 mW
  • Impedanz: 22 Ohm (bei 1 kHz)

Disclaimer: Die Kopfhörer wurden mir unentgeltlich von Vision Ears zur Verfügung gestellt und gingen nach dem Test zurück. Einen herzlichsten Dank auch an Sebastian und das ganze VE Team.

Vision Ears VE8

ab 2330 €
8.6

Klangeindruck

9.1/10

Verarbeitungsqualität

9.8/10

Zubehör und Kabel

8.5/10

Lieferzeiten

8.5/10

Herstellersupport

8.5/10

Leistung für's Geld

7.0/10

Vorteile

  • Die "schönsten" Höhen die ich kenne
  • Aufregende Präsenz von Bass und Höhen
  • Höhen ohne Peak
  • Offenes Stereobild
  • Überwältigende räumliche Darstellung
  • Poliert schlechte Aufnahmen auf

Nachteile

  • Preis
  • Weicherer / dynamischer Bass
  • Vergessen: Der Preis:-)
  • Empfindlich (Grundrauschen und Zischen)

 

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